Zur Entstehungsgeschichte des Netzwerks Schulische Bubenarbeit und Entwicklung zur Fachstelle Jumpps

Die Fortschritte in der geschlechtsbezogenen pädagogischen Arbeit in Deutschland sowie die ausserschulische Bubenarbeit in der Schweiz haben in den 90er Jahren langsam angefangen, Auswirkungen auf die Schweizer Schulen zu haben. Seit mehr als einem Jahrzehnt befürwortet die ErziehungsdirektorInnen-Konferenz (EDK) geschlechterbezogene Arbeit. Im Kanton Bern wurde nach der Lehrplanreform (1996) vom Kanton eine Arbeitsgruppe beauftragt, geschlechterbezogene Arbeit in die Schulen einzuführen. In manchen Kantonen arbeiten einige engagierte Männer (zusammen mit Frauen) auf der Ebene der Schulklassen oder für eine ganze Schule und reflektieren mit Schülern die männliche Identität in Zusammenhang mit Sucht- und Gewaltprävention, Berufswahl, Sexualität u.a. Es wurde Zeit, diese lokalen Initiativen zu koordinieren, auszuwerten, zu verbreiten und zu institutionalisieren. Deshalb begannen einige engagierte Männer aus verschiedenen Kantonen ab 1999 eine gemeinsame Strategie zu entwickeln und gründeten im November 2000 das Netzwerk Schulische Bubenarbeit NWSB als Verein. Die Gründungsmänner waren: Urban Brühwiler, Lu Decurtins, Andi Geu, Ron Halbright, Andreas Hartmann, René Setz, Thomas Rhyner, Hansjürg Sieber, Enrico Violi, Felix Wettstein.

Seit November 2000 fördert der Verein Netzwerk Schulische Bubenarbeit NWSB die geschlechtsbezogene Arbeit mit Buben und männlichen Jugendlichen im Schulbereich. Dabei geht es nicht nur um eine gezielte Bearbeitung der Probleme, die Buben in der Schule haben und bereiten, sondern auch um die Eröffnung eines Handlungsspielraums, der einen ressourcenorientierten und vielseitigen Zugang zum Mannsein ermöglicht.

Bis März 2003 hat das Netzwerk Schulische Bubenarbeit als ehrenamtliche Organisation – ohne Büro, ohne Infrastruktur, ohne Koordinationsstelle – einige erfolgreiche Tagungen, Projekte und Veröffentlichungen lanciert. Wegen des regen Interessen ans Angebot von NWSB konnte dank namhaften Sponsoringgelder - neben der intensiven ehrenamtlichen Arbeit - eine zu 50% besetzte Geschäftsstelle eingerichtet werden, die Weiterbildungen und Projekte organisiert und koordiniert, Anfragen bearbeitet und Öffentlichkeitsarbeit betreibt.

Schulische Bubenarbeit soll in der Deutschschweiz gefordert und gefördert werden. An Stelle der herkömmlichen Männerstereotypen brauchen Buben lebenstüchtigere und lebensfreudigere männliche Identitäten, zum eigenen Wohl sowie zum Wohl der Mädchen, der Lehrpersonen und der anderen Buben. Die Erfahrung zeigt, dass die Gleichberechtigung am besten dadurch unterstützt wird, wenn beide Geschlechter eine Chance haben, ihre Identität zu reflektieren, um dadurch neue Verhaltensmöglichkeiten und Einstellungen zu erwerben.

Die Entwicklung zur Fachstelle Jungen- und Mädchenpädagogik hat 2010 begonnen. Einerseits nahmen die Anfragen an uns zu Mädchenarbeit immer mehr zu, unser Vorstand nahmen neu 3 Frauen Einsitz. Nach einigen runden Tischen mit Fachfrauen und Fachorganisationen der Mädchenarbeit organisierten wir anlässlich unserer 10-Jahre-Feier am 16.11.2011 das Symposium «Auf zu einer geschlechterbalancierten Schule!". Mit den Erkenntnissen aus den Referaten und den Workshops dort organisierten wir in der Folge Impulstagungen zu diesem Thema, schrieben ein Positionspapier («Geschlechterbalance - für eine buben- und mädchengerechte Schule»), arbeiteten an Sitzungen und Retraiten am Thema weiter, entwickelten Kursangebote zur Mädchenarbeit und zur Jungen- und Mädchenpädagogik und vieles mehr. Die Entwicklung zur Fachstelle Jungen- und Mädchenpädagogik schritt stetig voran und gipfelte 2015 in den Arbeiten, diese Schritt für Schritt zu vollziehen. Der Name JUMPPS wurde geboren, das Corporate Design in Arbeit genommen, ein Logo entstand, Fotoshootings mit Kindern und Jugendlichen, die neue Website wurde geplant. Im März 2016 konnten wir im Team der Geschäftsstelle die erste Frau begrüssen, weitere Frauen arbeiten inzwischen im Projekt «Mein Beruf» mit.

Wird weitergeführt...